Samstag, 31. Januar 2009

Verpufft


Zweifelsohne ist es eine Befriedigung, alte Gewohnheiten abzulegen und sich einmal, nur ein einziges Mal anders zu verhalten als man es sonst immer tut. Allerdings ist das schwierig, wenigstens für solche unter uns, die die eigenen (lästigen) Gewohnheiten zwar nicht gerade lieb gewonnen, sich aber dennoch in gewisser Weise fest mit ihnen als Teil der ureigeigenen Persönlichkeit angefreundet haben. So ist es nahezu unmöglich für Plappermäuler, nur einmal den Mund zu halten, ebenso wie es für notorische Notlüger gar unrühmlich erscheint, die volle Wahrheit zu verbreiten oder für gewohnheitsmäßige Fremdgeher länger als eine Woche durchweg mit dem gleichen Partner das Bett zu teilen.

Die oben beschriebenen "Menschtypen" nehmen sich dennoch immer wieder vor, das alteingesessene Muster zu verlassen und neue Wege auszuprobieren, scheitern aber an der Realität der eigenen (nicht vorhandenen) Selbstbeherrschung. So ist es auch mir ergangen mit dem nun schon leidlich durchkonjugierten Jahrestagthema (nur zur Erinnerung: D-Day war gestern). Ich habe bis zum Abend ausgehalten, dann gekocht (was ich auch sonst öfters tue - gestern abend hab ich mir aber wirklich unmerklich (sic!) besonders viel Mühe gegeben), meinen ihn zum Öffnen einer guten Flasche Rotwein zu überreden versucht (vergeblich!), danach zum Besorgen eines Sixpacks Pils (nicht vergeblich!), um dann beim Essen mit einem lässig betonten "auf UNS" den Abend einzuleiten.

Die dann folgenden Ratespielchen, angefangen mit "Weißt Du noch, was wir genau heute vor X Jahren getan haben?", sind in der weiteren Folge nicht zitierenswert und entprachen dem bekannten Muster. Am Ende die Gegenfrage meines Gegenübers: "Ach so, dann wäre heute quasi so was wie unser Jahrestag?" Ich konnte nur noch abwinken, lächeln und das Thema wechseln. Was dankbar angenommen wurde. Fertig gegessen, noch ein Bier getrunken, TV (Jügen Vogel in seiner neuen Fernseh-WG: genauso kläglich) und in die Heia. Buff!

Auch die Erwartungen verhalten sich der Wirklichkeit gegenüber meist nach dem gleichen Schema: Wer sie hat, sollte sie überwinden, sonst werden sie enttäuscht. Ein ums andere Mal. Oder?

Freitag, 30. Januar 2009

"Es ist egal, aber" (Tocotronic 1997)


Zweifelsohne ist es eine erhebende Erfahrung, wenn sich die eigenen Vorurteile nicht bestätigen. Wenn man vom Gegenteil der eigenen pessimistischen Meinung überzeugt wird. Wenn die Welt (oder der Partner) einen sonnenwarm überrascht, und zwar im guten Sinne. Das fühlt sich dann richtig schön an, zumindest für Menschen, die an das Gute in sich selbst und im Human Beeing allgemein glauben. Und die insgeheim hoffen, dass die Welt doch besser ist, als sie meist zu sein scheint. Die zwar negative Befürchtungen haben, aber immer (und allzu gerne) bereit dazu sind, vom Lauf der Dinge eines Besseren belehrt zu werden.

Eine weitere, die Seele beruhigende Erfahrung ist es aber auch, wenn man von den eigenen Erwartungen ablässt und die Dinge "nicht so wichtig" nimmt. Wenn man plötzlich (oder auch ganz langsam, schleichend - qualvoll?) zu der Erkenntnis gelangt, dass das, was man gestern noch in fanatischer Manier für das Wichtigste der (eigenen kleinen persönlichen) Welt hielt, gar nicht wichtig sein muss. Gar unwesentlich. Geradezu nichtig. Ist.

Jahrestage (von zwischenmenschlichen Beziehungen, in diesem Fall meiner, nein unserer: heute) sind nicht von Belang und nur Ausdruck einer auf Quantität, nicht Qualität beruhenden Weltsicht, bei der es von großem Gewicht ist, Dinge, Zeitspannen, Beziehungen in Zahlen auszudrücken. Je höher die Zahl, desto besser. Desto näher das Ziel. Welches? Egal.

Deswegen werde ich ihm heute den Jahrestag nicht um die Ohren hauen, so um kurz vor Mitternacht, wenn er bewiesen hat, dass er definitiv NICHT dran gedacht hat. Ich werde ihn nicht damit quälen, ihm eine Blume zu bringen, um ihm damit zu zeigen, dass er eigentlich mir eine hätte schenken sollen. Ihn nicht zum Essen einladen um dann beim Nachtisch vorwurfsvoll mit der "Wahrheit" zu konfrontieren. Nein.

Wir werden uns einfach einen schönen Abend machen. Nach dem Abendbrot ein Bierchen, bisschen reden, fernsehen. Vielleicht "Schillerstraße". Jetzt mit Jürgen Vogel. Von dem man (ich) auch anderes erwartet hätte. Aber egal. Oder?

Donnerstag, 29. Januar 2009

Morgen: Jahrestag

Zweifelsohne kann man Jahrestage in Zweierbeziehungen ohne Weiteres ignorieren. Und dann bricht keine Welt zusammen. Und keine Tränen müssen vergossen werden. Und keine Kämpfe ausgetragen. Ich überlege mir seit ein paar Tagen, ob ich das nicht einfach tun sollte, einfach DAS Datum übergehen und einen ganz normalen Tag "machen". Dann muss ich nicht den ganzen Tag auf der Lauer liegen und warten und was ERwarten (immer diese Erwartungen!).

Weil - er wird nicht dran denken. Morgen. An unserem Jahrestag. Und weil ich dran denken werde, werde ich, obwohl ich weiß, dass er nicht dran denken wird, trotzdem hoffen, dass er dran denkt. In welcher Form auch immer. Er soll ja eigentlich nicht nur dran denken, sondern auch was tun. Irgendwas. Naja, nicht ganz irgendwas, mir morgens beim Frühstück die Hand schütteln und zum Jahrestag gratulieren wäre vielleicht noch ernüchternder als gar nichts. Da ich aber eh weiß, dass er nicht dran denken wird, brauche ich auch nicht ernüchtert zu sein, wenn er es dann tatsächlich tut. Also nicht dran denken.

Klar, natürlich, Blumen, Herzchen, schick ausgehen, Überraschungsgeschenke möglichst romantischer Art müssen ja nicht sein. Man kann sich ja auch nur schön zusammensetzen und ne Flasche Wein zusammen leeren und glücklich sein. Oder Bier und Whiskey. Wie damals halt. Und dann in Erinnerungen und Plänen schwelgen. Und alles Ungute weglassen, nur für einen Tag...
Aber, wie gesagt, er wird nicht dran denken. Er wird mich nicht überraschen und vom Gegenteil (meiner vorgefertigten Meinung über ihn) überzeugen.

Eine Blume? Nur eine klitzekleine vielleicht? Ohne Zusatzgrün, ohne Papier. Nur Blume und Kuss. Hm...

Muss nicht sein. Nein, muss nicht. Wird nicht. Oder doch? Oder?
We'll see...